Kanonenfutter mit Rentenausweis: Der verzweifelte Plan, die Reserve zu vergreisen...
Vom Rentenbescheid direkt in den Schützengraben: Warum der Reservistenverband jetzt 70-Jährige mobilisieren will und was das über den Zustand unserer Bundeswehr aussagt.
Man weiß gar nicht, ob man lachen oder weinen soll, wenn man die neuesten Geniestreiche aus der Berliner Blase und den angeschlossenen Verbänden hört. Bastian Ernst, der frisch gebackene Präsident des Reservistenverbandes, hat die Lösung für das gähnende Personaloch der Bundeswehr gefunden: Warum die Altersgrenze für Reservisten nicht einfach auf 70 Jahre anheben?
Die Begründung ist so frech, dass man fast Beifall klatschen möchte: Da das Rentenalter ohnehin steigt und die Leute „länger fit bleiben“, wäre es doch reine Verschwendung, diese „Ressourcen“ ungenutzt zu lassen. Übersetzt heißt das: Wenn du dein Leben lang geschuftet hast, um mit 67 (vielleicht) in Rente zu gehen, darfst du danach direkt zur Wehrübung einrücken. Vom Fließband an die Flanke, mit 70 Jahren!
Das „Senioren-Stärkungsgesetz“
Während Verteidigungsminister Pistorius am Mittwoch seine neue „Reserve-Strategie“ präsentiert, träumt der Verband schon von der totalen Verfügbarkeit. Der Arbeitgeber soll gefälligst die Klappe halten, wenn der 68-jährige Buchhalter plötzlich zum Schützengraben-Lehrgang gerufen wird. Einspruchsrecht? Fehlanzeige! Man nennt das „Freiwilligkeit auf Seiten der Reservisten“, meint aber die totale Entmachtung der Betriebe.
Besonders absurd wird es bei der Bestandsaufnahme. Auf die Frage, wie viele Reservisten es eigentlich gibt, antwortet Verbandschef Ernst sinngemäß: „Wissen wir nicht so genau, ist kompliziert.“ Man schätzt irgendwas zwischen acht und neun Millionen ehemaligen Soldaten, aber fest eingeplant sind gerade mal 60.000. Bis 2035 sollen es 200.000 sein. Und wie erreicht man das? Genau: Man dehnt das Rentenalter einfach so weit aus, bis der Friedhof das einzige Hindernis für die Einberufung ist.
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Die Jagd auf die Karteileichen
Die neue Wehrerfassung soll es nun richten. Nachdem man die Jugend bereits mit digitalen Fragebögen belästigt, geht es jetzt den „alten Hasen“ an den Kragen. Es ist das Eingeständnis eines totalen Scheiterns: Weil die junge Generation den Braten gerochen hat und massenhaft verweigert (wir berichteten über die 2700 % Steigerung!), muss nun die Generation 65+ herhalten.
Man stelle sich das Bild vor: Eine Armee, in der die Berater jünger sind als die Schützen an der Waffe. Während die Eliten in Washington und Brüssel am großen Rad drehen, sollen deutsche Senioren die Lücken füllen, die eine verfehlte Politik gerissen hat. Das ist keine „Ressourcennutzung“, das ist Leichenfledderei am gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Vielleicht sollte Herr Ernst konsequent zu Ende denken: Warum nicht direkt die Altersgrenze auf 85 anheben? Im Rollstuhl lässt sich ein Joystick für Drohnen schließlich auch bedienen. Es ist die Endstufe einer Politik, die den Bezug zur Realität völlig verloren hat.




